Café Maria: Bio-Kaffee im Tschocherl

Ich pack’s langsam gar nicht mehr. ‚Bio‘ ist auf diesem Markt allgegenwärtig! Aber der Reihe nach: Anlaß für meinen Artikel ist die Veröffentlichung eines Fotobandes zum Thema Tschocherl in Wien. Nachdem laut diesem die Tschocherl langsam verschwinden, musste ich unserem auf dem Markt rasch ein, zwei Besuche abstatten.

(Update 9/2017: Neuübernahme, das Tschocherl gibt’s nicht mehr, das Standl heißt jetzt ‚Bar il Buchino‚, ist in italienischer Hand wie der Name vermuten läßt und es gibt u. a. ‚Pizelle‘.) Woher kommt das Wort ‚Tschocherl‘ eigentlich? Ich kann mich nicht erinnern, es in 123Westösterreich je gehört zu haben. Tschocherl heißt laut dem österreichischen Wörterbuch: ‚Kleines, meist mieses Café‚. Das ‚mies‘ lasse ich im Fall des Café Maria jedoch nicht gelten! – Mehr dazu später. Der Duden kennt ‚Tschocherl‘ nicht, sondern ‚Tschecherl‘ und erklärt: ‚Kleines, einfaches Gast-/Kaffeehaus‚. Ok, das lasse ich durchgehen.

Das ost-österreichische Verb dazu – ‚tschechern‘ – kannte ich. Der Duden ordnet ihm die Bedeutungen ’schwer arbeiten‘ und ‚viel Alkohol trinken‘ zu. Das mit dem schwer arbeiten ist mir wiederum neu.

Ich schaute also nach langer Zeit wieder einmal im Café Maria vorbei. Wir sitzen an zwei aufeinanderfolgenden Abenden jeweils auf der zur Ennsgasse gewandten Seite und genießen die beschauliche Szenerie bei feinem Spritzwein. Bei Maria Schreiber kann man auf beiden Seiten des Lokals sitzen. Das heisst, du suchst dir je nach Tageszeit nach Belieben die Sonnen- oder die Schattenseite aus: Es gibt einen Schanigarten in Richtung Ennsgasse und einen in der ‚Marktgasse‘. Oder du setzt dich ins Lokal.

Die Preise lassen sich sehen: Der Spritzer kostet zum Beispiel nur 1,80 Euro, der Melange  2,40  und das 0,5er Krügerl  3,40 Euro. Du findest hier von Soda bis Schnaps das übliche, erwartbare Angebot traditioneller, kleiner Lokale in Wien. Was ich nicht erwartet hatte, war der Bio-Kaffee!

Hin und wieder gibt es hier auch Essen. Und zwar, wenn Maria für ihre Kinder kocht und ein paar Portionen mehr dabei entstehen. Davon profitieren die Gäste ungemein, denn sie kauft dafür am Markt ein – wieder bevorzugt biologisch! – und gibt die Portionen zum Selbstkostenpreis ab. Wir testen ihren Gemüsereis mit Salat und Saucenspiegel. Zum Nachtisch gibt’s einen mit Honig und Dattelstücken (keinem Zucker, weil der ist ungesund!) gesüßten Kuchen. Es ist richtig feine Hausmannskost – wie bei der Mama! Ich habe übrigens vorher schon aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass Maria ausgezeichnet kocht.

Maria führt das Café seit rund 14 Jahren. Davor hatte sie viele Jahre ein Lokal in der Wolfgang-Schmälzl-Gasse. Überhaupt arbeitet sie schon ihr ganzes Arbeitsleben lang in der Gastronomie. Und sie spricht stolz und gerne von ihrem Sohn, der Profi-Fußballer ist.

Das ‚Bodenlos-Ehrliche‘, das ich in einem früheren Artikel zitiert habe, kommt mir hier übrigens wieder in den Sinn. Hier sitzen vorwiegend seit Jahrzehnten im Grätzl ansässige Bewohner. Für mich ur-wienerisch und gerne anzuschauen und -zuhören.

Was fällt euch so zum Thema Tschocherl ein? Her mit euren Erfahrungen und Ansichten!

Weiterführende Links zum Thema:

Golden Days before they end

Tschocherl Report, Buch

Kurier: Der Markt, der wieder lebt

2 Kommentare

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